• Jessica Blömeke

Warum Schutzräume für Empathen so wichtig sind.


Hauptberuflich arbeite ich in einer Beratungsstelle für Frauen, die sexualisierte Gewalterfahrung erlebt haben. Ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit mit den Frauen liegt darin für sie sichere Orte zu schaffen, Außen wie Innen. Diese dienen der Stabilisierung und sind enorm wichtig, damit Heilungsprozesse geschehen dürfen.

Heute stellte ich mir zum ersten Mal ganz bewusst die Frage, welche besondere Bedeutung Schutzräume für Empathen wie Dich und mich haben und wie sie Dir helfen, Dein emotionales Stresslevel abzubauen und Deine Regenerationsfähigkeit stärken.

Stelle Dir folgendes Szenario vor:

Du bist ein Verkehrslotse und stehst während der Rushhour in der Mitte einer stark befahrenen Straßenkreuzung. Die Ampelanlage ist kaputt und es ist Deine Aufgabe, den Verkehr zu leiten. Ist der Verkehrslotse ein „normal“ fühlender Mensch, ist vermutlich alles bei ihm im grünen Bereich und er kann diese Aufgabe gut erledigen. Handelt es sich bei diesem Lotsen jedoch um einen Empathen, dann ist dieser permanenten Stress ausgesetzt, denn der empathische Verkehrslotse nimmt folgendes wahr: Er sieht die verschiedenen Automarken mit all ihren unterschiedlichen Farben. Er nimmt wahr, mit welcher Geschwindigkeit welches Auto auf die Kreuzung zufährt. Er sieht und spürt die Insassen in den Autos, nimmt deren Gesichtsausdrücke wahr, erkennt deren Körpersprache. Er spürt, auch körperlich, welche Emotionen jeder einzelne Insasse aller oder zumindest vieler Autos hat. Er spürt, ob sich ein Verkehrsunfall anbahnt, weil etwa ein gestresster Autofahrer über die Kreuzung fahren möchte. All das sieht und fühlt der Empath gleichzeitig. Hinzu kommt noch die körperliche und emotionale Verfassung des Verkehrslotsen selbst. All das ist für einen Außenstehenden nicht sichtbar, denn all die Empfindungen und Wahrnehmungen spielen sich ausschließlich im Inneren des Empathen ab.

Ist die Aufgabe des Verkehrslotsen erfolgreich beendet, fühlt sich dieser als ob er einen Marathon gelaufen ist. Wie ein Marathonläufer seine Zeit braucht, um sich zu erholen, benötigt der Empath diese für seine eigene (körperliche und seelische) Regeneration. Und genau dafür spielen die Schutzräume eine besondere Rolle.

Ich habe für mich im Laufe der Zeit verschiedene Arten von Schutzräumen „entdeckt“, wobei ich den Begriff „Raum“ im abstrakten Sinne verstehe.

Diese stelle ich Dir im Folgenden vor:

1. Mein Auto

Ich habe für einige Jahre bei der Bundeswehr gearbeitet. Dort hatte ich nie genügend Privatsphäre, genau genommen gar keine. Zumindest während der Grundausbildung. Wenn mir also mal wieder alles zu viel wurde und ich einen Platz brauchte, der nur mir gehört, ging ich in mein Auto. Dort habe ich ein Nachmittagsschläfchen gehalten, Musik gehört oder bin einfach nur durch die Gegend gefahren. Ganz egal was es war, in meinem Auto fühlte ich mich sicher. Es war mein ganz persönlicher Faraday'scher Käfig, der mich nicht nur vor Blitzeinschlägen schützte, sondern auch meiner Seele half, sich zu regenerieren.

Mein Auto ist mir heute noch wichtig. Jedoch hat es nicht mehr eine so intensiv schützende Wirkung wie damals, aber ein Schutzraum ist es nach wie vor für mich.

2. Meine Wohnung

Sie ist heute mein größter Schutzraum. In ihr befindet sich für mich alles in Harmonie. Das fängt bei der Farbwahl meiner Wände, Möbel und anderer Einrichtungsgegenstände an und hört mit der Anordnung von Bildern, Pflanzen und anderer Dekoration auf. Ich spüre, ob für mich alles stimmig ist und wenn ich fühle, dass es eine Veränderung braucht, kann es auch schon mal vorkommen, dass ich kurzerhand alles umgestalte. Das geschieht immer dann, wenn ich mich weiterentwickelt habe, innere Veränderungsprozesse abgeschlossen sind und deren Vollendung im Außen sichtbar werden soll.

In meiner Wohnung kann meine Seele so richtig frei atmen. Meine Atmung geht tiefer, meine Rollen und Alltagsmasken sind weg bzw. nur schwach vorhanden und ich bin viel entspannter. Das ist ein wunderbares Gefühl. Es ist, wie wenn man sich Kopfhörer aufsetzt, um nur noch die eigene Musik zu hören. Genau das gleiche passiert, wenn ich meine Wohnungstür hinter mir schließe. Damit sie für mich auch weiterhin ein heiliger Ort bleibt, achte ich sehr darauf, wen ich in meine Wohnung lasse und wen eben auch nicht.

3. Mein Balkon

Im Frühling und Sommer verwandelt sich dieser in eine grüne Oase. Ich pflanze dort Kräuter und Blumen, die mindestens alle gut riechen und im Idealfall essbar sind. Pflanzen haben eine so feine, beruhigende Energie. Sie tut meiner Seele richtig gut. Dort kann ich auftanken. Zehn Minuten auf meinem Balkon reichen aus, damit ich nach der Arbeit entspannen kann, um mich anschließend gestärkt in meinen Single-Mami Alltag mit meinen Kindern zu stürzen.

4. Sport

Seit Beginn des Jahres mache ich wieder regelmäßig Krafttraining. Das habe in meiner späten Jugendzeit für viele Jahre gemacht und bereits damals tat mir das unheimlich gut. Heute, seit mir bewusst ist, dass ich eine Empathin bin, sehe ich darin neben den gesundheitlichen Aspekten für mich noch viel mehr Vorteile. So habe ich entdeckt, dass das Fitnessstudio für mich der einzige Ort ist, an dem ich nicht die Emotionen aller Anwesenden spüre bzw. ich diese einfach bei den anderen sein lassen kann. Das finde ich ziemlich cool. Während des Trainings kann ich mich deswegen ganz auf mich und mein Training konzentrieren. Das entspannt mich sehr. Ich habe so einen Weg gefunden eine große Portion Kraft zu tanken - körperlich wie emotional.

Last but not least:

5. Lesen und Tanzen

Ich liebe Bücher und das schon seit ich ein Kind war. Abgesehen von Krimis und Psychothrillern, die sind mir zu gruselig und spannungsgeladen, lese ich je nach Lust und Laune, so ziemlich alles. Habe ich ein gutes Buch zur Hand, kommt es auch schon mal vor, dass ich die ganze Nacht durchlese und dabei völlig die Zeit vergesse. Herrlich.

Das Tanzen als Kraftquelle habe ich mir im Grunde erst in den letzten beiden Jahren erschlossen. In gleichmäßigen Abständen brauche ich das regelrecht. Ich gehe mit einer Freundin in unseren Lieblingsclub und dort machen wir die Nacht zum Tage. Dort tanze ich dann frei nach dem Motto:

„Dance like nobody is watching“.

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